Höret, ihr Zecher im Jahre Schnee!
Während ihr Met sauft und das Backhendl rupft, sitzt die holde Iris in meinem Turm. Ihr Lachen ist verstummt, ihr Platz an Wendls Seite ist leer. Ich habe sie mir genommen — und kein Gebet, kein Gelage und kein voller Krug wird sie zurückbringen.
Glaubt nicht, der Tag sei zum Feiern. Er ist eine Prüfung. Beweist mir die Stärke des Bräutigams — oder Iris bleibt mein für alle Zeit, und am Hochzeitstag steht Wendl allein vor dem Altar.
Sammelt sechs Beweise eurer Stärke,
dann erst trete ich euch entgegen.
Bis dahin: Vertraut niemandem an diesem Tisch. Nicht jeder, der euch zuprostet, meint es gut. Einer unter euch trägt meine Farben.
— Der Namenlose
P.S. Ich beobachte euch. Jede volle Stunde sende ich ein neues Wort.
Ihr meint, ihr hättet die Oberhand?
Ich kenne euch alle beim Namen. Und einer von euch hat heute genug gelärmt. Du da — — ja, du.
Iris hat mir von dir erzählt. Sie sagte, du seist nicht halb so tapfer, wie du tust. Beweise das Gegenteil — oder setz dich, halt den Mund und rühr dich nicht von der Stelle.
Die genannte Person setzt die nächste Runde aus.
— oder sie trinkt und bleibt trotzdem stumm dabei.
Solange ihr euch um euch selbst sorgt, sorge ich mich nicht um Iris. Sie weint, müsst ihr wissen. Wegen dir.
— Der Namenlose
Wendl. Nur an dich.
Du sammelst Würfel wie ein Kind Kieselsteine und glaubst, das mache dich zum Helden. Aber sag mir: Weißt du wirklich, wer dir heute die Hand geschüttelt hat? Wer dir etwas verkauft hat, das nicht echt war?
Iris trug ein weißes Gewand, als ich sie holte. Sieh genau hin, was man dir als das ihre andreht — nicht alles, was nach ihr aussieht, ist von ihr. Manche Flecken färben ab.
Komm allein. Oder komm mit allen.
Es wird dir nichts nützen — einer von ihnen gehört mir.
Wir sehen uns, wenn die sechste Stärke dein ist. Bring deinen Mut mit. Iris zählt jede Stunde.
— Der Namenlose
P.S. Sucht ihr mich? Sucht zuerst den, der saubere Worte und schmutzige Hände hat.